Am 24. April jährt sich zum dritten Mal der Einsturz der Bekleidungsfirma von Rana Plaza (mehr darüber kannst du hier lesen). Seitdem ist eine weltweite Bewegung ausgebrochen, sie heißt „Fashion Revolution“. Zweck dieser Bewegung ist sowohl jedermanns Bewusstsein für die Lieferketten der Bekleidungsindustrie zu schärfen als auch Menschen zu ermutigen, über die Bedingungen aufzuklären, unter denen ihre Klamotten hergestellt werden. Das Ziel der Fashion Revolution ist es, jedes Bindeglied der Modekette zusammenzubringen und dabei zu helfen, das derzeitige Modeherstellungsverfahren zu verändern. So bleibt Mode nachhaltig und fair für alle Beteiligten.

Wir fragen „wer hat meine Klamotten genäht“? Fashion Revolution möchte, dass Menschen über den wahren Preis ihrer Klamotten nachdenken. So kann der Abstand zwischen den Arbeitern, die hinter den Nähmaschinen setzen und den Käufern vermindern werden. Sie wollen, dass die Käufer Transparenz in den Modelieferketten fordern und dass die Beziehung zwischen ihren Klamotten und deren Herkunft miteinander verknüpft wird.

 

Auf diesem Grund beschloss ich durch meinen Kleiderschrank durchzustöbern und auf jedes einzelne Herkunftsetikett zu schauen. Ich wollte wissen, aus welchem Land die Stücke kommen, anstatt von welcher Marke sie hergestellt wurden.

Dieses Vorgehen wurde für mich sehr aufschlussreich. Das Ergebnis meiner kleinen Forschung überraschte mich völlig. Es war interessant herauszufinden, welche unterschiedlichen Herkünfte meine Klamotten hatten. Es machte fast den Eindruck, ich wäre selbst auf Weltreise gewesen und hätte durchweg Kleidung gesammelt. Jedoch war ich in den meisten dieser Länder nie persönlich gewesen. Niemals hatte ich solch eine enorme Vielfalt erwartet. Schließlich nahm ich an, dass jedes Stück entweder in China oder Bangladesch genäht worden war.

Also warum hatte ich das vermutet? Lass uns es als eine wohlbegründete Vermutung beschreiben.

Jahrzehntelang war China der weltgrößte Produzent für Bekleidung. Aber nun begegnet das Land einer starken Konkurrenz, nämlich der Textilindustrie aus Bangladesch. Die Tage, an denen ‘Made in China’ (‘Hergestellt in China’) auf allen Klamotten gedruckt war, sind lange vorbei. Grund für diesen Industriewechsel ist die Tatsache, dass die Herstellung in China teurer geworden ist. Die Löhne stiegen wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Herstellungsindustrie beträchtlich. Folglich wuchsen auch die Markenpreise. Statt für die höheren Kosten aufzukommen, nehmen die Unternehmen ihre Gesellschaft aus China heraus und suchen nach der nächst billigen Möglichkeit. Das heißt, sie sagen ‘hallo!’ zu Bangladesch.

Die Bedingungen der Bekleidungsproduktion in Bangladesch sind nahezu perfekt für jedes Modeunternehmen, das Kosten senken möchte. Sehr billige Arbeitskraft kombiniert mit etwa vier Millionen Arbeiter –  ein Traum für viele Unternehmen. 2013 wurden 80% der Exporte aus Bangladesch durch Klamotten erwirtschaftet. Dies bedeutet, dass 80% der gesamten Erzeugnisse aus Bangladesch an die westliche Welt ausgeliefert wird. Das sind starke Zahlen!

Obwohl Bangladesch im Moment als das beliebteste Land für das Produzieren von Kleidung gilt, gibt es noch viele andere Länder, die ebenso billige Klamotten für die westliche Welt herstellen. Es stellt sich heraus, dass weltweit extrem geringe Löhne in den Textilindustrien vorkommen. Markenfirmen haben also eine große Auswahl. Wie wunderschön für sie!

In meinem Kleiderschrank entdeckte ich Kleidungsstücke, die aus elf der zwanzig einkommensschwachen Klamottenexportländer stammen. Der Rest meiner Klamotten enthielt drei Teile aus Australien und elf Teile mit einer unbekannten Herkunft. Entweder, weil die Teile handgemacht oder die Etiketten beschädigt wurden.

Die Grafik unten zeigt die monatlichen Mindestlöhne der Fabrikarbeiter in einigen Ländern. Es wird deutlich, dass China und Bangladesch auf den entgegengesetzten Positionen liegen und dass Bangladesch genau aus diesem Grund sehr attraktiv für Modemarken geworden ist. Es ist auch wichtig zu hinterfragen, wie viele Wochenstunden die Arbeiter hinter ihren Nähmaschinen sitzen müssen, um diese schrecklichen Löhne überhaupt verdienen zu können. Sie arbeiten bis zu 18 Stunden pro Tag, sechs oder sieben Tage jede Woche. Und das ohne den Luxus ausreichender Pausen. Falls es dich interessiert, Toilettenpausen zählen ebenfalls zu diesem Luxus.

Quelle: Internationale Arbeitsorganisationen

Da Löhne eine direkte Auswirkung auf das Leben der Fabrikarbeiter haben und gleichzeitig aber auch die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen beeinflussen, sind sie ein zentrales Thema. Während Verbraucher preiswerte Klamotten kaufen möchten, zielen die Unternehmen auf große Gewinne ab. Eine übliche Lösung ist es hier, den Arbeitern geringe Gehälter zu zahlen. So bekommen Markenunternehmen und Käufer beide, was sie wollen. Doch das Schicksal der Arbeiter wird hier leider nicht berücksichtigt.

Also, schau mal in deinen Kleiderschrank hinein. Wo wurden deine Klamotten genäht? Wirf doch mal einen Blick auf das Etikett, bevor du etwas Neues kaufst. Wer weiß, vielleicht lernt man dadurch die Arbeiter mehr zu schätzen, die irgendwo in dieser Welt deine Klamotten nähen. Arbeiter, die auch Menschen sind, die es sich nie ihrem Leben leisten könnten, diese Klamotten für sich selbst zu kaufen.

 

Wo wurden meine Klamotten genäht?
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