Jedes Jahr wird tonnenweise gebrauchte Kleidung zu verschiedenen Wohltätigkeitszwecken um auf der Welt verschenkt. Die Kleidung wird durch die Wohltätigkeitsorganisation aussortiert und was noch im guten Zustand und kaufbar ist, wird in den Läden verkauft. Aber was passiert mit der übrigen Kleidung? Und was ist mit der Kleidung, die in den Laden gelangt aber nie weiterverkauft wird? Für den Fall, dass du es  nicht bemerkt hast, wechseln auch Second-Hand Läden  ihre Waren im Einklang mit der Saison ab.

Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass das Übermaß an gebrauchter Kleidung (oder unseren Abfall) zu den  Entwicklungsländern, wie z.B. Uganda oder Indien verschifft wird. Händler kaufen die Kleidung, um sie auf den lokalen Märkten weiterzuverkaufen. Die Märkte sind riesig und die Händler arbeiten dort jeden Tag und versuchen damit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Diese Situation scheint aber nicht so schlecht zu sein. Mindestens ist das Leben der Kleidung irgendwie verlängert, statt einfach auf die Mülldeponie zu gelangen. Ebenso wie die Debatte um internationale Hilfe- ob wir durch unsere Spende armen Leuten wirklich helfen oder nicht- machen sich Leute Sorgen, wie viel die Spende von Kleidung die Wirtschaften der Entwicklungsländer beeinträchtigt.

Einerseits sind die lokalen Verkäufer der gebrauchten Kleidung berufstätig und sie verdienen etwas Geld. Andererseits wurden die lokalen Textilindustrien zerstört. Und seien wir hier ehrlich: Wir schenken den armen Leuten unsere alte Kleidung nicht, weil wir besonders großzügig sind und wir uns Sorgen darum machen, dass sie nicht ausreichende Kleidung haben. Wir spenden, weil wir zu viel Kleidung haben, die wir nicht mehr tragen oder nicht mehr brauchen. Wir haben vielleicht eine große Räumung unsere Kleiderschränke vollbracht, um mehr Platz für neue Kleidung zu haben. Aber wir fühlen uns doch gut dabei, weil wir nichts einfach weggeworfen haben.

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Ballen der Kleidung

Ostafrikanische Länder sind sogar so weit gegangen,  ein Verbot der gebrauchten Kleidung  vorzuschlagen. Kurzfristig wird die Industrie der gebrauchten Kleidung und die Verkäufer, die darin arbeiten, offensichtlich Geld verlieren. Aber die Idee ist, dass die Regierung ihre Textilindustrie aufgefrischen kann und neue, bessere Jobs schaffen kann, um ihre Wirtschaft zu stärken.

Tansania hat als erstes dieser Länder ein Verbot dazu erlassen und  eine Entscheidung getroffen, die die Regierung in den letzten Monaten angekündigt hat. Das Verbot wird ab2019 wirksam sein und mittlerweile hat die Regierung Ausbildungsprogramme für die lokalen Leute eingerichtet, damit sie die notwendigen Fähigkeiten lernen können, um in Textilfabriken arbeiten zu können. Als ein weiterer Teil des Plans werden Fabriken aufgebaut.

Unsere alte Kleidung wird auch nach Indien geschickt und da wird sie entwirrt und als Faden wiederverwendet. Die Arbeiter in kleinen Dörfern haben gar keine Ahnung von der westlichen Kultur. Viele haben sogar noch nie einen westlichen Menschen gesehen und alle sind  schockiert darüber, was wir als Müll wegwerfen. “Es scheint, als ob fast alle Kleidung noch ungetragen ist”, sagte eine Frau in dem Dokumentarfilm, ‘Unravel’. Männer, Frauen und Kinder verbringen jeden Tag beim Aussortieren der alten Kleidung, während sie sich vorstellen, wer diese einmal besessen hat. Sie träumen von den wunderschönen und faszinierenden westlichen Leuten und fragen sich, warum sie so viele Kleidung wegwerfen. “Vielleicht gefällt es ihnen nicht, ihre Kleidung zu waschen”, spekuliert eine Frau.

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Jo Dunlop aus Australien zeigt eine andere Seite der afrikanischen, gebrauchten Bekleidungsindustrie in den Dokumentarfilmen, ‘Freetown Fashpack’. Nach einem Besuch von Sierra Leone hat sie entdeckt, wie einfallsreich und mutig die Bürger mit Mode und ihrem Stil waren, trotz allen den Konflikten und täglichen Herausforderungen. Sie sind stolz darauf, aufzufallen  und eine Einzelperson zu sein, statt Trends zu folgen und nur das zu tragen, woran wir gewöhnt sind.

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In Sierra Leone werden die Gebrauchtkleidungsmärkte ‘Junks’ genannt und die Menschen betrachten sie als eine Büchse der Pandora, mit endlosen Modemöglichkeiten. Sie sehen unsere abgelegten Klamotten und können ihrer Kreativität und Nähfähigkeiten freien Lauf lassen, um sie in etwas völlig Neues umzuwandeln.

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Wir können nicht ewig so tun, als ob wir keine Probleme mit unserem Konsum haben, indem wir fortsetzen, unsere Kleidung wegzuwerfen und zu den Entwicklungsländern zu verschicken. Unser Verhalten und unsere Mentalität zur Kleidung müssen geändert werden. Wir nehmen es als selbstverständlich, dass Mode sehr billig und erreichbar ist und  sehen sie deshalb als ein Wegwurfartikel an und nicht als etwas von unschätzbarem Wert. Das Recycling und Upcycling müssen zu Standards in der Textilindustrie werden. Entwicklungsländer brauchen die Möglichkeit, ihre eigenen Textilindustrien neu zu gründen. Nur dann werden wir eine völlig nachhaltige Modeindustrie haben.

 

Wo deine alte Kleidung wirklich gelangt
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