Ich lese viele Artikel, die um unseren Lebensstil gehen und darüber wie das Leben immer schneller und anstrengender wird. Es wird von uns erwartet, dass wir mehr in den Alltag reinstopfen, dass wir effizienter bei der Arbeit sind, dass wir fitter werden, dass wir ständig eine Verbindung mit Technologie haben usw. Sogar wenn wir im Urlaub sind, müssen wir alles auf unserer ‘Must-See’ Liste abarbeiten. Kein Wunder dann, dass der Begriff ‘Burnout’ oder Ausgebrannt-Sein ein Problem unserer Zeit ist. Menschen können einfach nicht alles beherrschen! Doch ist es tatsächlich gesund für uns als Mensch regelmäßige Pausen von dem hektischen Leben zu nehmen, um uns zu erholen. Sonst ist eine solche Lebensweise überhaupt nicht nachhaltig.

Diese moderne Lebensweise gilt auch in der Bekleidungsindustrie. Fast Fashion beherrscht jetzt die Industrie auf der ganzen Welt und viele von den großen Marken veröffentlichen alle zwei Wochen ein neues Kleidungsortiment. Das heißt neue Trends und alles was du letzte Woche getragen hast, ist jetzt schon veraltet. Sogar neue Trends, die du auf dem Laufsteg finden kannst, werden von billigen Marken imitiert und dann ist die Kleidung schon am nächsten Tag bereit, verkauft zu werden. Solch ein schnelles Herstellungsverfahren stellt eine falsche Vorstellung der Textilindustrie dar und bringt die Kunden dazu zu denken, dass es tatsächlich leicht ist, Kleidung zu produzieren. Damit verstehen sie leider nicht, dass die Arbeit ganz schwer ist und große Anstrengung dafür nötig ist. Es ist dann doch kein Wunder, dass Kleidung zu einem Wegwerfartikel geworden ist.

Wenn wir von einem Burnout in der Bekleidungsindustrie reden, heißt das, dass die ausgebeuteten Arbeiter und die Umwelt eigentlich an einem Burnout leiden. Sie müssen die Hauptlast tragen, unseren Bedarf ständig mit einer endlosen Zahl von billigen und schicken Kleidungsstücken befriedigen. Daraus ist eine sehr unethische und unnachhaltige Industrie erwachsen, wobei zahllose, schädliche Auswirkungen die Leben von Millionen von Leuten auf der Welt, entweder durch schwere Verletzungen oder Tod, zerstört werden. Unsere Umwelt leidet auch an einem Burnout. Verschmutzung und schweren Gebrauch von begrenzten Ressourcen, wie z.B. Wasser (ein T-Shirt braucht wahnsinnige 2700 Liter Wasser, um hergestellt zu werden!) reichern diese natürliche Ressourcen ab, schneller als sie wiederaufgefüllt werden können.

Slow Fashion ist die ethische Antwort zu der Fast Fashion Industrie. Es geht um das Verstehen des ganzen Verfahrens, wodurch unsere Kleidung hergestellt wird. Es ist dabei wichtig, dass die Zeit, Anstrengung und Ressourcen, die in die Kleidung eingehen, geschätzt werden. Menschen und die Umwelt werden in dem ganzen Herstellungsprozess geachtet, im Gegensatz zu dem Fast Fashion Modell, wobei der niedrigste Preis die höchsten Priorität hat.

Heutzutage sind Menschen davon besessen, mehr und mehr Kleidung zu kaufen. Und warum sollen sie nicht so verrückt nach Shopping sein? Die Preise sind spottbillig und die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt können sich diese Stücke leisten, auch wenn sie nicht so viel verdienen. Man muss nicht reich sein oder sich verschulden, um modisch auszusehen. Ein neues Kleidungsstück zu kaufen, ist eine Art der unmittelbaren Befriedigung.

shopping bags

Aber Slow Fashion bestreitet diese Besessenheit, die Globalisierung der Modeindustrie und Massenproduktion. Es ermutigt Menschen kreativer mit ihrer Kleidungsauswahl zu sein und ihren eigenen persönlichen Stil zu entwickeln. Slow Fashion ermutigt auch die Bewahrung verschiedenen Kulturen und traditioneller Tracht auf der Welt, die besonders durch Massenproduktion in Gefahr sind, verloren zu gehen. Doch Mode soll nicht darum gehen, immer auf den Laufenden mit Trends zu bleiben. Wichtiger ist, dass Menschen dabei Spaß haben und tragen, was ihnen gut passt. Wir alle haben unseren eigenen Stil und unsere eigenen Präferenzen und wir sollten diesen treu bleiben und dem Bestreben der Modeindustrie widerstehen, jedem Trend zu folgen und unseren individuellen Stil nicht aufzugeben.

Die Käufer und die Unternehmen spielen wichtige Rollen in der Umsetzung von Slow Fashion.

Die Rollen der Unternehmen

Wie oben erwähnt, konzentrieren sich Designer in dem Slow Fashion Bereich auf den ganzen Herstellungsprozess ihrer Kleidung. Das heißt, dass sie keine Mode entwerfen, die nur für eine Saison modisch ist oder einen Trend widerspiegelt, sondern dass sie sich die Zeit nehmen, um Qualitätskleidung herzustellen, die dauerhaft und vielseitig ist. Das Ziel ist, dass die Käufer ihre Kleidung länger behalten können und dabei immer noch gut aussehen.

Solche Designer und Unternehmen berücksichtigen jede Maßnahme der Lieferkette, um sicherzustellen, dass jeder Mensch und die Umwelt mit Achtung behandelt werden. Alle ihre Tätigkeiten sind transparent und nichts wird vor den Kunden verheimlicht. Manche Designer gehen sogar so weit, nur ein paar kleine Kollektionen jedes Jahr herzustellen und wenn sie ausverkauft sind, ist das so.

Viele Designer und Marken müssen ihre Verläufe und Geschäftsmodelle in etwas verändern, das viel nachhaltiger und realistischer ist. Mit dem aktuellen Verlauf der Modeindustrie finde ich es schwer darüber nachzudenken, wie viel mehr Fabrikunfälle passieren werden und wie der Zustand unserer Umwelt in ein paar Jahrzehnten sein wird.

 

Die Rollen der Käufer

Das Beste, was die Käufer tun können, um gegen die Fast Fashion System anzukämpfen, ist einfach ihre Mentalität ändern und bemerken, dass Kleidung kein Wegwerfartikel ist. Wenn Verbraucher verstehen, dass echte Menschen hinter den Nähmaschinen sitzen und viel Kraft für unsere Klamotten aufwenden, werden sie vielleicht gründlich überlegen, bevor sie einen spontanen Kauf machen.

Verbraucher müssen also einen Schritt zurückgehen und der Versuchung, andauernd etwas Neues zu kaufen, nur weil es billig ist, widerstehen. Stattdessen müssen sie anfangen, ihre bereits erworbene Kleidung zu schätzen. Das heißt aber nicht, dass man nie wieder etwas Neues kaufen darf. Aber man soll mit der Absicht kaufen, dass man das Stück lange behalten wird, entweder, weil man das Stück liebt oder weil es von höchster Qualität produziert geworden ist. Wenn Menschen eine Verbindung mit ihrer Kleidung entwickeln, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie sie schnell ersetzen oder wegwerfen werden.

Letztendlich müssen Verbraucher damit anfangen, für sich selbst zu denken! Sie müssen damit aufhören, von jedem Trend beherrscht zu werden. Sie müssen anfangen, ihrem eigenen Herzen zuzuhören und ihren eigenen tollen Stil annehmen. Wer möchte tatsächlich genau wie jeder andere auf der Straße aussehen?!

 

 

Wie die Bekleidungindustrie leidet an einem Burnout
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