März und April sind sehr wichtige Monate in der Geschichte der Textilindustrie. Zwei von den schlimmsten katastrophalen Notfällen geschahen, die je die Textilindustrie betroffen haben. Unglaublich viele Menschen sind ums Leben gekommen, eine Tatsache, die völlig vermeidbar gewesen wäre. Aber das merkwürdigste ist, dass die Notfälle über 100 Jahre entfernt geschehen sind und auch in verschiedenen Ländern. Aber leider sind die Umstände der beiden Unglücksfälle sehr ähnlich.

 

TRIANGLE SHIRTWAIST COMPANY: AMERIKA

Am 25. März  war der 105. Jahrestag der Triangle Shirtwaist Company Fabrikfeuer, die als eine der schlimmsten Arbeitsstellenotfälle bekannt ist, die je in Amerika passiert sind. Am diesen Tag sind 145 Menschen ums Leben gekommen. Die Mehrheit dieser waren neulich immigrierte europäische Frauen und Mädchen. Nahezu die Hälfte der Opfer waren Jugendlichen. Dieser Tag würde eine große Veränderung in der Industrie nach sich ziehen, um eine solche Tragödie in der Zukunft zu vermeiden (Zumindest in Amerika).

hat das Feuer verursacht, als der in einem Abfalleimer weggeworfen wurde, welcher eine Mullüberfüllung hatte. Ein Manager hat versucht, das Feuer mit einem Schlauch zu löschen, aber das war völlig unmöglich, weil der Schlauch verrostet wurde. Durch überhängende Klamotten und Müll auf dem Boden angeheizt wurde die Situation schnell tödlich. Die Flammen sind durch das ganze Gebäude gezogen und alles wurde zerstört. Die ganze Sache dauerte nur 18 Minuten bis es zum Ende kam.

Es waren 600 Arbeiter an diesem Tag in der Fabrik anwesend und es ist unbestreitbar ein Wunder, dass einige von ihnen überlebt haben. Der Ausbeuterbetrieb wurde an den höchsten drei Stöcken des zehnstöckigen Gebäudes gefunden. Das Feuer war im achten Stock ausgebrochen und da gab es nur einen funktionierenden Aufzug, wobei bloß 12 Leute auf einmal hinein passen. Nach vier Fahrten mit dem Aufzug wurde dieser von den Flammen zerstört. Die Leute haben danach angefangen, vom dem Aufzugschacht hinunterzuspringen, weil sie verzweifelt waren. Natürlich könnten sie diesen Sturz leider nicht überleben.

Andere Menschen haben versucht, die Treppen hinunterzunehmen, aber dies hat sich auch als ein unmöglicher Fluchtweg erwiesen. Die Feuertreppe ist von dem Gewicht der Menschen fast auf 30 Meter abgestürzt und die andere zwei Treppenhäuser stellten sich als völlig nutzlos heraus. Eine Tür öffnete sich nur einwärts und die andere war von draußen fest geschlossen. Die Türen waren mit Absicht von den Managern geschlossen worden, um Diebstahl zu vermeiden. Die Arbeiter waren deshalb im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer Arbeitsstelle eingeschlossen und gezwungen zu brennen.

Die Flucht aus den Fenstern war auch leider keine Alternativ. Obwohl die Feuerwehr darunter waren und den erschreckten Menschen zu helfen versuchte, waren ihre Anstrengungen doch leider nicht erfolgreich, weil die
Sprossenleiter und Schläuche zu kurz waren, um die Fenster des achten Stocks zu erreichen. Statt bei lebendigem Leibe zu verbrennen, sind die Leute aus dem Fenster gesprungen. Sie hatten ohnehin keine Chance zu überleben.

Photograph-Ruins_02Es gab auch einige Arbeiter auf den oberen  Stockwerken, die wenigerPech als die anderen hatten. Die Menschen,die es eigentlich zu fliehen geschafft hatten, sind auf dem Dach und dann auf die benachbarten Gebäude geklettert. Die Besitzer des Gebäudes, Max Blanck und Isaac Harris, haben zu dieser Menschengruppen gehört.

Obwohl sie mit Totschlag angeklagt wurden, ist nichts davongekommen und sie wurden freigelassen, ohne Folge. Nach einer drei Wochen langen Gerichtsverhandlung, die auf die Tatsache konzentriert war, ob die Türen mit Absicht geschlossen wurden oder nicht, hat die Jury die Entscheidung getroffen, dass es zu wenig Beweise gab, um die Männer zu verurteilen. Die Jury hat den Beweis nur zwei Stunden lang besprochen. Deshalb wurde niemand für diesen schrecklichen Tag zur Rechenschaft gezogen.

Doch trotz der unfassbaren Tragödie ist etwas positives daraus entstanden. Nach dem Feuer gab es ganz viel Druck auf die Regierung von Aktivistin, die eine Veränderung gefordert haben, um zu versichern, dass Menschen in den Fabriken immer sicher bei der Arbeit werden. Innerhalb von drei Monaten nach dem Notfall hat der New Yorker Bürgermeister den sogenannten Fabrikuntersuchung Ausschuss (Factory Investigating Commission) gegründet. Fabriken würden dadurch regelmäßig und gründlich geprüft (in vielen Industrien, nicht nur in der Bekleidungsindustrie), um zu versichern, dass die Gebäude feuerfest sind, es keine Risiken von Krankheiten gibt, die Arbeitsbedingungen ungefährlich sind, und die Rechte die Arbeiter geachtet werden. Und es ging noch weiter. Ein Arbeitsaußenministerium (State Department of Labour) wurde auch später gegründet, um auch in den  neue Bundesstaaten diese Gesetze durchzuführen. Wirklich ausgezeichnet, was für einen Einfluss normale Leute haben können!

(Hier kannst du mehr darüber lernen).

RANA PLAZA: BANGLADESCH

Leider hat sich die Textilindustrie seitdem nur verschlimmert. Am 24. April 2013, waren Menschen rund um die Welt zutiefst erschrocken, als eine Bekleidungsfabrik in Bangladesch eingestürzt ist. Der Zusammenbruch hat 1134 Menschen getötet und noch Tausende mehr schwer verletzt. Das Gebäude, Rana Plaza (nach dem Besitzer Sohel Rana benannt) war ursprünglich achtstöckig gewesen und hat fünf Ausbeuterbetrieb enthalten. Wegen Korruption unter Politiker konnte Rana ohne eine Genehmigung noch drei Stöcke zusätzlich aufbauen. Diese illegale Tat wurde von der Landesbehörde einfach ignoriert.

Wie du dir vorstellen kannst ist der Bauprozess auch sehr schlecht gelaufen. Ranas Bestechungsgeld kaufte ihm den Recht, jedes Baugesetz zu ignorieren und ebenfalls Werkstoffe von minderwertiger und niedriger Qualität zu verwenden. Diese Nachlässigkeit breitete sich durch alle Landesbehörde aus.

Rana-Plaza 1Am Tag vor dem Zusammenbruch hat die Landesbehörde endlich eingegriffen und die Besitzer der Ausbeuterbetrieb gefragt, ob sie mit der Herstellung aufhören könnten, bis das Gebäude geprüft werden würde, weil sehr große Brüche in den Wänden entstanden sind. Natürlich haben sie diese Forderung nicht akzeptiert. Am Tag des Einsturzes haben sich die Arbeiter eigentlich verweigert, ins Gebäude einzutreten. Sie wussten, dass sie in Gefahr sein würden und sie wollten ihr Leben nicht riskieren. Jedoch wurden ihre Bitten ignoriert. Dazu wurden Banden eingestellt, um die Arbeiter zu schlagen und ins Gebäude zu zwingen, während Manager gedroht haben, dass sie für einen Monat nicht bezahlt werden würden, wenn sie nicht gehorchen. Sie waren zu Tode erschrocken und hatten keine andere Wahl. Sie mussten wieder reingehen und die Klamotten für die große Marken nähen. Sie sind in die verlorene Fabrik um 8 Uhr eingetreten. Um 8.45 ist das Gebäude plötzlich eingestürzt. Es dauerte lediglich 90 Sekunden, um tausende Leben für ewig zu zerstören.

So eine große Katastrophe hat es niemals zuvor in der Textilindustrie geschehen. Diese Fabrik wurde die Existenz der Arbeiter und ihren Familien. Entschädigung brauchten die Familien und ebenfalls die Opfern, von denen viele nie wieder arbeiten könnten.

Deshalb wurde nach ein paar Monate ein Entschädigungsfond (Rana Plaza Arrangement) entwickelt, um Geld für die Opfer zu sammeln. Der Fond sammelt Geld von irgendjemandem, der freiwillig spenden wollte, aber das Hauptziel wurde eine erhebliche Spende von den 29 global verknüften Unternehmen zu bekommen, die ihre Klamotten in dieser Fabrik nähen gelassen haben. Es hat fast zwei Jahre gedauert und im Juni 2015 wurde das Ziel von $30 Millionen erreicht.

Noch eine Strategie ist die Entwicklung des Brandschutzabkommens Accord. Weltweit haben Marken, Händler und Gewerkschaften den Accord unterschrieben und zugestimmt, zusammen zu arbeiten, um den Arbeiter in Bangladesch bessere Arbeitsverhältnisse zu sichern. Inspektionen, die bei den Unternehmen durchgeführt wurden, waren deutlich ineffizient, deshalb geht der Accord noch ein paar Schritte weiter. Inspektionen werden jetzt durch andere Gruppen betreut, wie z.B. die Internationale Arbeitsorganisationen (ILO) und Bangladescher Gewerkschaften. Marken, die den Accord untergeschrieben haben, müssen jetzt die Verantwortung der Sicherheit und der Rechten der Arbeiter übernehmen, die ihre Klamotten ständig nähen.

Es ist hoch unwahrscheinlich, dass die Opfer und ihre Familie nächstens Zufriedenheit erleben werden. Die Polizei hat erst in Juni letzten Jahres Anzeigen erstattet- zwei Jahre nach dem Einsturz. Das Gericht hat dann im Dezember die Anzeigen akzeptiert und der Fall wird vor Gericht stellen. Mittlerweile setzt Rana im Gefängnis, 16 andere Angeklagten wurden auf Kaution entlassen aber noch 24 Angeklagte sind aus dem Land geflohen. Jeder steht der Höchsstrafe in Form der Todesstrafe gegenüber, wenn sie zu Mord verurteilt werden.

 

Und jetzt?

Schließlich ist die große Frage, wer eigentlich verantwortlich für diese Katastrophe ist? Alle waren schnell damit, Vorwürfe zu machen und keiner wollen zugeben, dass man selber  irgendwie eine Rolle darin gespielt hat. Doch in Wirklichkeit teilt jedermann die Schuld. Es wäre ganz einfach, den Gebäudebesitzern und jedem Angeklagten die Schuld daran zu geben. Ich meine, es war ihre Entscheidung, das Gebäude ohne Genehmigungen aufzubauen, oder? Die Marken kommen als nächstes an die Reihe. Sie hätten die Bekleidungsfabriken besser überprüfen sollen und wissen sollen, unter welchen Bedingungen ihre Klamotten hergestellt worden waren. Stattdessen haben sie sich ahnungslos benommen und versucht, alles zu bestreiten. Sie sollen sich für mehr als Gewinn interessieren. Und zuletzt sind wir als Käufer gar nicht schuldlos. Wir wollen unsere billigen Klamotten und wir wollen die sofort, egal was die Folge sind.

Also was haben wir in die letzten 100 Jahre gelernt? Nicht viel scheint es. Gefährliche Ausbeuterbetriebe gibt immer noch, obwohl heutzutage (meistens) diese in verschiedenen Ländern vorkommen, als da, wo die Klamotten gekauft werden. Wegen den gefährliche Bedingungen entbrennen auch heute regelmäßig Feuer in Bekleidungsfabriken, und verursachen Tode und Verletzungen. Menschen werden noch gezwungen, in solche Fabriken zu arbeiten. Kurz gefasst: Es gibt dieselben Gefahren, dieselben Herstellungsverfahren und dieselben ausgebeuteten Frauen und Mädchen.

Die Welt kann nicht so weitermachen. Hoffentlich dauert es nicht noch ein Jahrhundert oder noch länger und kostet mehr verlorene Leben bis schließlich etwas verändert.

 

Was haben wir in 100 Jahren gelernt?
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