Geboren und aufgewachsen in Australien war meine Kindheit eine ganz übliche Geschichte. Mittelklasse-Familie, Haustiere, großer Garten, eine nervige jüngerer Schwester usw. Ich bin jeden Tag in die Schule gegangen und nachmittags spielte ich glücklich irgendwelche Spiele mit Freunden auf der Straße.  

Mit 15 habe ich meinen ersten Job bekommen und hatte in einem Supermarkt gearbeitet. Ich wurde dafür gut bezahlt und es machte mir nichts aus, jedes Wochenende shoppen zu gehen und all meinen Lohn auf Klamotten zu verschwenden. Ich hatte keine Pflichten oder große Sorgen, sondern komplett Freiheit. Ich konnte mein hart verdientes Bargeld dafür auszugeben, was mir gefiel.

Stell dir vor, dass du ein Kind in einem vom Krieg erschüttertem Land bist. Du hast nur zwei Möglichekiten und beide sind sehr gefährlich und zwischen beiden soll kein Kind auf der Welt wählen müssen. Die Wahl ist, entweder in einem Kriegsgebiet bleiben, wo wahrscheinlich dein Zuhause und deine Habseligkeiten und Familie zerstört werden würden, oder in ein fremdes Land flüchten, wo du in einer Textilfabrik unter sehr schlechten Verhältnissen arbeiten musst und ausgebeutet wirst.

(Foto: Lefteris Pitarakis- http://www.mcclatchydc.com/)

Das ist jetzt Realität für viele Kinder aus Syrien.  

Shurki, ein 12 jähriger syrischer Kurde, ist mit seinem Onkel aus Syrien geflüchtet. Jetzt, statt in der Schule zu gehen, arbeitet er seit 10 Monaten bis zu 60 Stunden pro Woche in einer Textilfabrik, um Geld zu verdienen, sodass er seine Familie unterstützen kann. Sechzig Stunden ist unglaublich viel für jeden, nicht nur Kinder (ich mekerte, als ich 15 Stunden pro Wochen arbeiten musste).

Das ist eine heftige Verantwortung und solche Umstände für ein Kind sind unvorstellbar. Allerdings nimmt Shurki seine Pflicht vollkommen an und ist tapfer, ‘Ich kann hier nicht in die Schule gehen, wegen der Arbeit. Aber ich gehe wieder in dieSchule, wann wir nach Syrien zurückkehren,’ sagte er. Er hat immer noch einen Hoffnungsschimmer, dass eines Tages alles wieder normal sein wird.

Leider ist Shurkis Geschichte kein Einzelfall.  

Syrische Flüchtlingskinder sind in viele türkischen Textilfabriken ausgebeutet, auch für große Bekleidungsketten wie H&M und Next. Laut einem Bericht der Business and Human Rights Centre, einer britische Menschenrechtsorganisation, haben diese Unternehmen zugegeben, dass sie minderjährige syrische Arbeiter in Fabriken ihrer Zulieferbetriebe entdeckt haben.

Die Türkei ist, nach China und Bangladesch, der drittgrößte Lieferant von Bekleidung für Europa. Deshalb gibt es eine sehr hohe Chance, dass du schon ein Kleidungstuck besitzt, davon Kindern wie Shurki genäht wurde. Behalte das im Gedächtnis nächstes Mal, dass du einkaufen gehst.

Diese Kinder haben keine Zeit zu spielen oder so. Sie sind plötzlich gezwungen worden, erwachsen zu werden. Jetzt müssen sie jeden Tag Sachen erleben und wird Situationen ausgesetzt, die sehr schwer für Erwachsenen sein würden, geschweige denn für Kinder.

Jetzt weiß ich sicher, dass meine Kindheit nicht normal wr, sondern eine extrem glückliche. Genauso wie alle Kinder haben sollen.  

Kinder fliehen vor dem Krieg zur Ausbeutung
Tagged on:             

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

X