Megan O’Malley ist meine einzige Freundin, die auch eine Leidenschaft für die Veränderung der Modeindustrie hat (Ich habe sie in einem vorigen Artikel erwähnt). Sie ist ein sehr kluges Mädchen, das zur Zeit coole und interessante Sachen in der nachhaltigen Textileindustrie macht. Eine davon ist ihr Job als Community Manager (Gemeinschaftsmanagererin) bei JUST, einem Online-Unternehmen, das den Käufern Möglichkeiten geben will, bewusstere Entscheidungen beim Einkaufen zu machen.

Deshalb hat JUST ein Online-Portal entwickelt, das Megan als “Wikipedia für Modemarken” beschreibt. Wir haben uns an einem Sommernachmittag am Strand getroffen und ein wunderschönes Gespräch über das Portal und die allgemeine Textilindustrie geführt. Dabei begleitete uns eine Wolke an Seemöwen, welche versuchte Megans essen zu klauen. Das fand ich sehr lustig, Megan jedoch nicht!

JUST wurde in meinem letzten Post beschrieben, als eine Website, auf der Käufer Informationen hinsichtlich nachhaltiger und ethischer Abläufe verschiedener Modemarken einsehen können. Auf dem Portal können Käufer also Marken suchen. Ebenso werden sehr gründliche Rechercheergebnisse präsentiert, die alle samt die Faktoren Umwelt, Gemeinschaft und Arbeitsrichtlinien berücksichtigen. Ziel ist es, Käufer mit allen möglichen Informationen auszustatten, sodass die diese “ihre eigenen Entscheidungen machen können- es ermächtigt Käufer gemäß ihrer eigenen Prinzipien nachhaltig und ethisch einzukaufen,” sagte Megan.

Wie du letzte Woche gelesen hast, gibt es schon viele Websites, die eine Art nachhaltiges Rangsystem aufweisen. Aber inwiefern unterscheidet sich JUST von den anderen Webseiten? JUST berichtet über kleine und große Unternehmen, etwas was bei den anderen eher fehlt. “Ich finde es super die kleinen Marken zu erforschen- die machen ausgezeichnete Sachen,” sagte Megan, “Wir können dies den Menschen zeigen und ihnen so ermöglichen, der Käufer zu werden, der sie immer sein wollten!”

Auch echt toll über dieses Portal ist die Tatsache, dass JUST darauf arbeitet, die Menschen zu engagieren. Sie möchten nämlich, dass diese ihre eigenen Informationen zu der Website beitragen (folglich der Vergleich mit Wikipedia). Das heißt, sie wünschen sich direkte Kommentare von Käufern und Kontakt zu Marken sowie zu den Leuten in der Lieferkette, damit diese JUST immer “über die Wahrheit informieren, was wirklich geschieht,” erklärte Megan.

Es wird also immer so eine Art Wikipedia Website mit ständigen Updates und Überprüfungen bleiben? “Ja, stimmt. Zum Beispiel, diese Woche aktualisieren wir Daten für H&M und Zara,” erklärte Megan, “Wir haben einen Alarm auf Google gestellt, um uns in Kenntnis zu setzen, wann neue Informationen und Berichte veröffentlicht werden. Das heißt, dass wir uns dann alles wieder durchlesen müssen!”

“Es gilt sich auf viele Probleme zu konzentrieren- und das ist selbst ein Problem. Es ist nicht zu fassen.”

Weil ich schon als Forscherin mit JUST zusammengearbeitet habe, weiß ich genau, wie lange so ein Forschungsprozess dauert. Es ist eine aufwendige Arbeit jeden Bericht und jeden Artikel, der je über das Unternehmen geschrieben wurde, durchzulesen. “Wir präsentieren es, wie es erzählt wird- außer wenn wir etwas analysieren müssen, dass schlecht geschrieben wurde!” sagt Megan. “Wir müssen einfach damit arbeiten, was wir haben,” sie erweitert, “Leute werden nicht einfach da sitzen und schnell einen Nachhaltigkeitsbericht durchlesen, bevor sie einkaufen gehen. Deshalb machen wir das für dich- und es dauert etwas länger!”

Aber teilen die Marken bereitwillig alle die Details über ihre Lieferkette? Oder muss man erst Detektiv werden, um alles finden zu können? Megan erklärt, dass sich die Menge an verfügbaren Informationen zwischen Unternehmen außerordentlich ändert. “Die eine Marke hat tatsächlich keine Artikel über ihre Lieferkette- nichts, null. Und andere Marken haben viele Artikel, die verfasst wurden – gute und schlechte.”

Und auch wenn die Unternehmen viele Informationen teilen, handelt leider nicht jeder über den Nachhaltigkeitsbericht die Lieferkette. “Du musst einfach jeden Quatsch durchforsten…Es gibt viele Nachhaltigkeitsberichte über die Firmenseite der Nachhaltigkeit (das heißt im Büro), aber nicht über den Lieferungsprozess. Und das ist ziemlich enttäuschend,” sagt Megan. Doch Megan fügt hinzu, dass sie “von einigen Marken überrascht ist, wie viel sie geteilt haben, weil Einiges davon manchmal auch eher schlecht ist.” Sie sagt, “Das beeindruckt mich und gibt mir das Gefühl, dass ihre Informationen legitim sind und die Probleme richten können.”

“einige diese Marken den Wert von kleinen Ländern haben…Sie haben Verantwortungen und sie müssen in die Gänge kommen!”

Doch am Ende des Tages wollen wir Transparenz, oder? Wir wollen genau wissen, was in diesen Lieferketten geschieht- wer und was wegen unseres Konsums leidet. “Richtig!” sagt Megan, “Nichts im Leben ist perfekt. Ich bin mir sicher, dass sogar die nachhaltigste Marken Probleme haben. Aber es geht um das Übernehmen der Verantwortung dafür.”

Megan meint, dass es nicht nur eine große Herausforderung in der Textilindustrie gibt, sondern “Es gilt sich auf viele Probleme zu konzentrieren- und das ist selbst ein Problem. Es ist nicht zu fassen.” In Bezug auf den Bekleidungsfabrikzusammenbruch in Bangladesch 2013 (der schlimmste Industriellnotfall in der Geschichte der Textilindustrie, bei dem 1134 Menschen ums Leben kamen) und aufgrund der Tatsache, dass seitdem noch mehr Unfälle passiert sind, fragt Megan “Wie kann das immer noch sein?

Rana Plaza Fabrikzusammenbruch

Also wie können Unternehmen diese Probleme lösen? Obwohl es einen große Aufwand bedueten würde, die ganze Lieferkette umzugestalten, scheint es seitens der Unternehmen immer noch als ein eher langfristiges Ziel, das nicht zu eilen scheint. Sie finden unentwegt Ausreden dafür, wie z.B. zu hohe Kosten und lange Ungestaltungsprozesse. Aber Megan weist darauf hin, dass “einige diese Marken den Wert von kleinen Ländern haben…Sie haben Verantwortungen und sie müssen in die Gänge kommen!”

Während ihrer Forschung hat Megan herausgefunden, dass in einer der Markenfabriken ein Verletzungsanteil (ernsteren Grades) von 17% herrscht. Das scheint vielleicht zunächst nicht sehr besorgniserregend. Allerdings war das eine Marke mit vielen Fabriken. Stell dir doch einmal die Leute vor, die da arbeiten und welche Folgen das für sie hat. In Deutschland würden wir so etwas niemals zulassen! Aber warum lassen wir das in anderen Ländern zu? Vor allem wenn diese Leute für uns Kleidung nähen.

Unternehmen sind nicht die einzigen, die Verantwortung für Verbesserung haben. Käufer spielen dabei auch eine Rolle. “Aber was kann ich dagegen tun? Ich bin nur eine Person?” Ich höre dich sagen. Jedoch kannst du viele mehr dagegen tun. Du hast mehr Macht, als du denkst. Wenn du aufhörst, 5 Euro T-shirts zu kaufen oder gegen die Bedingungen der Fabrikarbeiter protestierst, dann müssen auch Unternehmen zuhören. Ich meine, wenn du mal richtig drüber nachdenkst – ein T-shirt für nur 5 Euro? Du denkst vielleicht, dass ist ja toll, aber wie Megan betont, “Jemand, der irgendwo in der Lieferkette arbeitet, wird dafür ausgebeutet und eine Art vom Umweltschaden geschieht und das ist überhaupt nicht toll.”

Diese Probleme in der Textilindustrie sind beträchtlich und wir stehen vor einer großen Herausforderung, wenn wir alles ändern wollen. Das hört sich jetzt alles ziemlich deprimierend an und ist vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, den Artikel zu enden! “Ermächtigt die Menschen!” sagt Megan. Und das seid ihr. Ihr seid die Menschen, die eine Veränderung der Textilindustrie hervorrufen können.

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Megan O’Malley “Ermächtigt die Menschen!”
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