H&M hat sich entschieden, eine neue Initiative zu starten, die World Recycling Week heißt und vom  18. bis 24. April läuft. Das Ziel ist es, 1000 Tonnen unerwünschter Klamotten zu sammeln, die Käufer zu irgendwelcher ihrer 3,900 Läden in 31 Länder rund um die Welt hinbringen können. Das hört sich an, wie eine tolle Idee, oder? Ich meine, H&M versucht etwas Positives zu der Textilindustrie beizutragen, indem sie die Menge der Klamotten verringern, die in der Müllhade gelangen wird. Lass uns erst einen näheren Blick darauf werfen. Es ist nicht alles so gut, wie es erscheint.

H&Ms ‘Recycling Week’ fällt zufällig in derselbe Woche uns die Jahreszeit des Rana Plaza Fabrikeinsturz, der am April 24. 2013 geschah. Jetzt werde ich nicht näher auf Einzelheiten der Tragödie eingehen, aber hier kannst du noch mehr darüber lesen. Das heißt auch, dass die ‘Recycling Week’ zur gleichen Zeit wie die ‘Fashion Revolution’ läuft, eine Woche lange Kampagne, die nachhaltige Mode und Transparenz in der Textilindustrie fördert.

Es ist ziemlich schlechtes Timing von H&M. Das ist eine Woche, in der sich die Käufer und jeder in der Industrie vereinigen sollen und zusammenarbeiten sollen, um große Veränderungen in der Textilindustrie hervorzubringen. Die Woche ist nicht dafür da, damit Unternehmen sich selbst profilieren.

Oder ist es einfach eine Art Green Washing? Eine Marketingmethode, die bewirkt, dass H&M sich mit Nachhaltigkeit sehr ernst beschäftigt, während sie die Menschen von der Tatsache ablenkt, dass ihr Geschäftsmodell ein großer Mitwirkender bei den Nachhaltigkeitsproblemen in der Industrie ist. Wir müssen doch ehrlich sein: H&M ist nicht für ihre hohe Qualität und zeitlose Klamotten bekannt, die an weitere Generationen überliefert wird. Und noch dazu stellen sie 600 Millionen Bekleidungsstücke jedes Jahr am Fließband her. Deshalb ist es schwierig ihre Bemühungen ernst zu nehmen.

Die Tatsache, dass die Käufer mit einem 30% Gutschein angespornt sind, ihre Klamotten zu recyceln, hilft H&M nicht. Was hier wirklich geschieht, ist das die Käufer ihre alten Klamotten nehmen und diese für neue H&M Stücke tauschen. Und dabei helfen sie H&M  ihren Gewinn zu verbessern. Eher verstärkt der ganze Vorgang des Fast Fashion Geschäftsmodells von H&M.

Dann gibt es das Musikvideo. Es gibt keine Wörter dafür. Doch keine gute Wörter. Das Video enthalt ein Lied, das von der Sängerin M.I.A. geschrieben wurde und gesungen wird. Menschen tanzen als sie uns zu ‘Rewear it’ ermutigt- also unsere Klamotten noch mal tragen. Wie das Video Leute ermutigt, ihre Klamotten zu recyceln, werde ich nie verstehen. Meistens kann ich kaum verstehen, was sie eigentlich singt. Es gibt keine Spur von anregenden Messages. Es gibt tatsächlich nichts in diesem Video, dass die Dringlichkeit und die Ernsthaftigkeit der Textilindustrie hervorhebt.

Leider ist das die falsche Art gemeinschaftlicher Bemühung, die nötig ist, um echte und bedeutungsvolle Veränderungen zu beschleunigen.

Vielleicht wäre es etwas Effektvolleres für die Industrie gewesen, wenn H&M mit anderen in der Textilindustrie, beispielsweise Zulieferbetrieben und anderen Marken, zusammengearbeitet hatte, um eine Lösung für die Kleidungsverschwendung zu finden. Schließlich ist es ein industrie-breites Problem; das von einem Unternehmen allein nicht gelöst kann, egal wie groß das Geschäft ist. Eine gemeinschaftliche Bemühung würde sicher besser sein und zu langfristigen Veränderungen führen.

Natürlich ist das Recycling der Klamotten etwas, das zweifellos durch die Textilindustrie entwickelt werden soll, um das Müll zu richten und jedes Geschäft, das das durchführt, macht einen positiven Fortschritt. Es ist ja schwer zu sagen, was die echte Motivation hinter H&Ms Marketingmethode ist aber es scheint mit ihrem Hauptgeschäftsmodell uneins zu sein. Hoffentlich machen sie es nicht nur um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Also hoffentlich sind die Bemühungen von Fashion Revolution und die Erinnerung an Rana Plaza von H&M’s glitzerndem (und sinnlosem) Video nicht überschattet. Menschen sollen sich in dieser Woche darauf konzentrieren, Transparenz für die ganze Lieferkette einzufordern. Und natürlich sollen sie auch den Fabrikarbeitern Anerkennung zollen, die unsere Klamotten nähen- die noch unter schreckliche Arbeitsbedingungen leiden und die ums Leben gekommen sind.

 

H&M World Recycling Week: bloß Marketing oder legitim?
Tagged on:                 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

X