Die grauenhaften Bedingungen in Ausbeutungsbetrieben weltweit sind gut bekannt, besonders nach dem Rana Plaza Fabrikzusammenbruch  2013. Die Bedingungen in den armen Entwicklungsländern sind für uns unvorstellbar. Aber wusstest du schon, dass es ähnliche Zustände in Australien gibt?

Die Textil, Bekleidungs und Schuhware Gewerkschaft Australiens (TCUFA) ist von der Herstellung von Gerechtigkeit für die  Arbeiter motiviert, sowohl in Australien als auch im Rest der Welt. Michele O’Neil, die gewählte Geschäftsführerin der Gewerkschaft, und ihre Mitarbeiter und Aktivisten setzen ihren Kampf fort, um sicherzustellen, dass australische Textilindustriearbeiter gut behandelt  und vom Gesetz unterstützt werden.

Der Mehrheit der Bevölkerung Australiens ist es wahrscheinlich nicht bewusst, dass es immer noch eine Textilindustrie in diesem Land gibt. Obwohl sie in den letzten 25 Jahren kleiner geworden ist, gibt es noch eine gut gehende Herstellungsindustrie um Australien, wobei Victoria und New South Wales weitaus die größten zwei Herstellungsstaaten sind. Meistens sind diese Fabriken in den Hauptstädten und in den umliegenden Vororten.

Es ist aber schwer herauszufinden, genau wie viele Menschen in dieser Textilindustrie arbeiten, weil, wie Michele erklärt, “Es gibt geregelte Arbeiter in Fabriken aber noch Tausende mehr arbeiten von ihren Zuhause aus. Also sind die Zahlen sind zu gering und unzuverlässig.” Michele fährt fort: “Wenn wir uns nur auf die geregelten Arbeiter beziehen, sind es  gegenwärtig um 40.000 offizielle Arbeiter. Aber wir glauben, dass es noch Tausende mehr gibt, die Zuhause arbeiten.”

“Lehrer haben uns von den Kindern erzählt, die so müde in der Schule sind und sogar in der Klasse eingeschlafen sind, weil sie entweder früh aufstehen mussten oder spät ins Bett gegangen sind, um zu arbeiten.”

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Was ist genau der Unterschied  zwischen einem Ausbeuterbetriebsarbeiter und einem Heimarbeiter? Sicher haben die Heimarbeiter bessere Zustände, oder? Leider ist das nicht der Fall. Obwohl die Heimarbeiter normalerweise nicht die gleiche Sicherheits- und Gesundheitsprobleme  erfahren wie  in den Fabriken, begegnen sie doch anderen Herausforderungen.

Wegen der unvernünftigen Forderungen von den Marken und der Fristen, die unmöglich von einen Menscherfüllt werden können, sind die Familienangehörige der Arbeiter gezwungen, auszuhelfen. “Lehrer haben uns von den Kindern erzählt, die so müde in der Schule sind und sogar in der Klasse eingeschlafen sind, weil sie entweder früh aufstehen mussten oder spät ins Bett gegangen sind, um zu arbeiten,” sagt Michele. Wenn die Frist nicht eingehalten wird (das heißt, wenn die Kinder nicht aushelfen), würden die Aufgabe zu einem anderen Arbeiter gegeben. Was sollen diese armen Familien sonst machen?

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Es stellte sich heraus, dass die Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter in Australien großenteils leider nicht viel besser sind, als die in den Entwicklungsländern. Migranten, die aus Ländern wie z.B. China, Vietnam und Afrika herkommen, werden von australischen Marken ausgebeutet, weil sie ihre Kleidung für den möglichst preiswertesten Preis herstellen lassen wollen. Diese Migranten kommen in Australien an, ohne ausreichende Englisch sprechen zu können und sie haben von ihren Rechten keinen blassen Schimmer und deshalb glauben sie alles, was die Unternehmen ihnen  erzählen.

Der Unterschied zwischen Australien und andere Bekleidungherstellungsländern in Asien ist, dass die Gewerkschaft gesetzlich in die Fabriken eintreten und mit Arbeiter reden darf, um sicher zu stellen, dass sie sich  ihrer Arbeitsrechte bewusst sind. Die Gewerkschaft setzt sich auch mit den Heimarbeitern in Verbindung, wie Michele sagt, “Wir haben eine starke Verbindung mit vielen Mirgrantenorganisationen. Arbeiter kontaktieren uns entweder per Telefon oder Email. Im Laufe der Jahre haben wir auch unterschiedliche Ausbildungsprogramme organisiert, wie z.B. Englische Kurse. Wir gehen in ihre Gemeinschaft hinein, wo die Bekleidungsnäherinnen leben.”

Michele betont, dass Verbindungen zwischen den Arbeitern sich selbst schaffen: Dies ist “ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit. Dann wissen die Arbeiter, dass sie nicht allein sind.”

“Manche Leute denken, dass die Bedingungen und der Arbeitslohn vermindert werden sollen, um die Arbeit hier in Australien zu behalten. Aber wir denken das Gegenteil.”

Leider sind die Fälle von ausgebeuteten Menschen auch nicht selten. Arbeitern werden ihre grundsätzliche Rechte verwehrt, wie zum Bespiel, dass die Pensionen nicht bezahlt zu werden, dass sie keine ausreichende Pause nehmen zu dürfen oder keine Anspruchsberechtigungen haben. Auch sind sie dazu gezwungen in einem unsicheren Umfeld zu arbeiten, worin ihre Gesundheit und ihre Leben täglich in Gefahr sind. Genau wie in Asien werden Arbeiter während ihrer Schichten in australischen Fabriken eingeschlossen, sie dürfen auch die Toilette nicht benutzen oder wenn das überhaupt erlaubt ist, müssen sie sehr schmutzige und unhygienische Toiletten benutzen. Solche Zustände könnten in Australien überhaupt nicht wahr sein, oder? Im Gegenteil erklärt Michele, “darüber stolpern wir jeden Tag.”

Alle nehmen einfach an, dass ‘Made in Australia’ Qualität und faire Lieferketten bedeutet. Warum erfahren wir Informationen über schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeuterbetriebe in anderen Ländern aber wir wissen nicht, was in unserem eigenen Land geschieht?

Michele glaubt, dass es ein paar Gründe dafür gibt. Zum einen haben aufgrund von den Berichten über den Rana Plaza Zusammenbruch in Bangladesch “die Einstellungen der Verbraucher sich in Bezug auf Arbeitsbedingungen sehr stark verändert,” aber Michele fuhrt fort, um die Rückseite davon zu erklären, “Leider bringen diese Berichte die Gesellschaft dazu zu denken, dass diese Probleme nur in Entwicklungsländern existieren.”

“Ich glaube, dass die Regierung sich für gar nichts interessiert, was in dieser Industrie geschieht. Sie scheinen alles einfach zu ignorieren.”

Der zweite Grund für den Mangel an Informationen in Australien ist grundsätzlich zu wenig Interesse dafür, sowohl von den Medien als auch dem Publikum. “Die Berichterstattung hier kommt und geht,” sagt Michele, “Manchmal entdecken die Medien, was in der Industrie geschieht, oder wir werden  Informationen darüber geben. Aber es ist schwer, die Geschichten im Blickpunkt der Öffentlichkeit dauerhaft zu halten und es kommt darauf an, wie viel Aufmerksamkeit sie bekommen.”

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Aber auch ohne Interesse von den Medien und Öffentlichkeit, wie können Unternehmen in Australien ihre Verantwortlichkeit vermeiden? In Entwicklungsländern ist ein großes Teil des Problems die Tatsache, dass sie keine gesetzliche Unterstützung haben. Also was ist dann die Ausrede in Australien?

Laut Michele gibt es „keine gesetzliche Ausrede dafür. Unternehmen denken, dass sie alles einfach vermeiden können.” Heutzutage leidet die Bekleidungsindustrie an einem Transparenzmangel und Unternehmen umgehen ihre Verpflichtungen in den Lieferketten. Ausgliederung von Jobs ist jetzt normal und deshalb werden die Lieferketten komplex und sehr breit und das heißt, dass es fast unmöglich ist, den Überblick darüber zu behalten. “Wir finden Unternehmen, die vielleicht fünf verschiedene Fabriken haben. Dann besuchen wir diese Fünf und sie haben die Arbeit auf zehn andere Fabriken weitergegeben. Dann haben wir diese Zehn  die ursprüngliche Arbeit an die Heimarbeiter weitergegeben,” erklärt Michele. “Unternehmen benutzen diese Situation, um sich von ihren Verantwortlichkeiten abzusetzen und schieben sie auf andere, obwohl sie gesetzlich verantwortlich sind.”

“Wir wollen nicht dafür bekannt werden, dass wir unsere Menschen nicht schlecht behandeln.”

Die Gewerkschaft und andere Aktivisten rund um die Welt verlangen Rechenschaft und Transparenz in den Lieferketten der Modeunternehmen. In Australien hat die Gewerkschaft viele wichtige Fälle gewonnen, eine davon war die Einführung eines weltführenden Gesetzes, das es den unterbezahlten Arbeitern ermöglicht, den gesamten Weg der Lieferkette nachzuvollziehen und so ihren Lohn zurückzugewinnen. Die Gewerkschaft kontrolliert und wenn sie ausgebeutete und unterbezahlte Menschen entdecken, begleiten sie sie durch den ganzen Rechtsweg.

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“Aber es ist ein sehr intensiver Prozess, der viele Hilfsmittel braucht, weil es tausende Arbeiter in kleinen Fabriken gibt und wir sie ersteinmal finden müssen,” sagt Michele, “Häufig befürchten sie, dass, wenn sie ihre Rechte bekommen,  sie ihre Jobs verlieren werden. Und es ist deshalb ein großer Fortschritt für sie, wenn sie dafür kämpfen wollen.”

Die Gesetze sind da und die Gewerkschaft machen richtig viel Arbeit, um diese Menschen zu unterstützen, aber Michele erklärt, dass  die Unterstützung der australischen Regierung fehlt. “Ich glaube, dass die Regierung sich für gar nichts interessiert, was in dieser Industrie geschieht. Sie scheinen alles einfach zu ignorieren,” sagt Michele, “Tatsächlich hat die gegenwärtige Regierung alle Finanzierung für Ethical Clothing Australia (ECA) geschnitten.” Die ECA ist eine Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaft und der Textilindustrie, die ethische und transparente Modemarken beglaubigt. Die Folgen dieser Zusammenarbeit sind, dass mehr ausgebeutete Arbeiter geholfen werden und Verbraucher wissen, dass alles, was sie kaufen, echt ethisch ist.

Die TCFUA Gewerkschaft macht ausgezeichnete Arbeit hinter den Kulissen in der australischen Textilindustrie, trotz der vielen Herausforderungen, den sie seitens von Unternehmen, der Regierung und dem Publikum gegenüberstehen. “Wir versuchen ständig, die Rechten der Arbeiter zu bewahren, die wir schon gewonnen haben,” sagt Michele, “Manche Leute denken, dass die Bedingungen und der Arbeitslohn vermindert werden sollen, um die Arbeit hier in Australien zu behalten. Aber wir denken das Gegenteil. Wir glauben Australien soll stolz darauf sein, sagen zu können, dass wir eine ethische und nachhaltige Textilindustrie haben. Das soll das besondere Merkmal für Australien rund um die Welt werden – wir wollen nicht dafür bekannt werden, dass wir unsere Menschen nicht schlecht behandeln.”

Die Wahrheit: Ausbeutungsbetriebe existieren auch in Australien
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