Vor ein paar Wochen bin ich zu einem Filmabend gegangen und der Film zwang mich zu überdenken, wie wir in den westlichen Nationen Entwicklungsländern helfen. Der Dokumentarfilm „Poverty Inc“ erklärt, wie internationale Hilfe den Entwicklungsländern mehr schadet als hilft. Wenn eine Krise geschieht, wie zum Beispiel ein Krieg oder eine Naturkatastrophe, wissen diese Länder, dass wir mit dem besten Vorhaben dahingehen. Wir wollen Unterstützung liefern und ihnen dabei helfen, wieder auf ihren eigenen Beinen zu stehen. Aber dann bleiben wir zu lange. Wir bleiben zu lange und geben ihnen dauernd Essen und andere Ressourcen bis wir endgültig ihre Industrien zerstören und sie keine Hoffnung mehr haben, ihre eigenen langfristigen Industrien zu entwickeln. Diese Entwicklungsländer wurden völlig von internationaler Hilfe abhängig.

red cross truck- poverty inc

Der Film zeigte, wie Armut eine Milliardendollarindustrie geworden ist. Er zeigte, wo Hilfe beginnt und was sie wirklich den Entwicklungsländern antut. Der Film berücksichtigte die Arbeit von zahllosen NGOs (NROs), die erschienen sind, und fragte, wer in Wirklichkeit die Vorurteile der internationalen Hilfe zieht? Leider sind es nicht die Menschen, auf die diese Hilfe abzielt. Internationale Hilfe ist jetzt eine komplizierte globale Industrie.

Obwohl internationale Hilfe und ihre Wirkungen auf die Landwirtschaftsindustrie das größten Thema des Films ist, zeigte der Film auch in Kürze, wie die Hilfe auch auf die Bekleidungsindustrie Auswirkungen hat und zwar im Bezug auf Sozialunternehmer. Sozialunternehmer sind Leute, die eine Firma gründen, mit dem Ziel ein soziales Problem zu lösen und allgemein eine bessere Welt zu entwickeln. In ihren Firmen sind Menschen und die Umwelt wichtiger als großer Gewinn. Das hört sich gut an, oder? Ja, natürlich. Sie haben die richtige Absicht. Aber alles ist nicht so einfach wie es vielleicht scheint.

Das amerikanische Sozialunternehmen, TOMS Schuhe, wurde in dem Film besonders erwähnt. Sie haben ein Geschäftsmodell entworfen, das um das Konzept “One for One” (Eins für Eins) geht. Das heißt, für jede Paar verkaufte Schuhe geben sie ein Paar zu einem Kind in der Not. Um ehrlich zu sein, klingt diese Idee wunderbar und sie sind damit sehr erfolgreich gewesen.

toms

Aber der Film zeigte auch eine andere Seite von Sozialunternehmen und darüber musste ich wirklich nachdenken. TOMS teilen kostenlose Schuhe aus. Lokale Geschäfte können damit nicht konkurrieren. Wer würde Geld für Schuhe aufgeben, wenn TOMS sie für nichts verschenken? Bilder in der Doku zeigten Kinder, die schnell zum TOMS Transporter liefen und mit Vorfreude auf die Auslieferung ihrer neuen Schuhe warteten. Sie verlassen sich jetzt auf TOMS kostenlose Schuhe. Einerseits ist es ja gut, dass die Kinder neue Schuhe kriegen. Aber was ist mit der lokalen Schuhindustrie? Wie können diese Schuhhersteller wohl überleben und davon existieren, wenn die westlichen Länder einfach hereinplatzen und alles gratis austeilen? Sie können ihre eigenen Geschäfte nicht aufbauen und dann sind sie gezwungen, das Geschäft zu schließen. Und so geht der Armutskreislauf weiter.

Wenn wir diesen Ländern wirklich helfen möchten, müssen wir ihnen dabei helfen, ihre eigenen starken Industrien aufzubauen. Wir müssen erstmal herausfinden, was sie genau brauchen, um ihre Zustände zu verbessern und nicht nur Geld und Fertigwaren an sie verschenken. Wir müssen genauer Fragen stellen, wie zum Beispiel, warum haben die Kinder keine Schuhe? Vielleicht gibt es in der Region einen Mangel an Ausrüstung oder Ausbildungsgelegenheiten. Ein steht allerdings fest: Die Menschen sind nicht arm, weil sie dumm sind.

slum- poverty inc

Wahrscheinlich bist du mit dem folgenden Sprichwort vertraut: Gib einem Mann einen Fisch, und du nährst ihn für einen Tag. Lehr ihn zu fischen und du nährst ihn lebenslang. Sozial- und Umweltprobleme in der Bekleidungsindustrie sind so kompliziert, dass es keine einfache Lösung dafür gibt. Deshalb müssen Sozialunternehmer sehr vorsichtig sein, wenn sie versuchen zu helfen. Sie müssen alle möglichen Auswirkungen erwägen und sicher sein, dass ihr Plan keine weiteren Probleme verursacht. Gute Intentionen sind leider nicht genug.

 

 

Der Teufelskreis der Armut
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